Geschichte
Der Anfang des USC Paloma
Es begann im Jahre 1909 mit Schlagball
In der Chronik der Historiker steht 1909 ohne auffällige Marginalien verzeichnet. Für die Deutschen kein allzu aufregendes Jahr. Das Reich auf dem Höhepunkt seiner Macht- und Prachtentfaltung. Geprägt vom Glanz der wilhelminschen Epoche: „Kaiserzeit“, Altona, Wandsbek und Harburg waren noch selbständige preußische Nachbarstädte. An diese „Friedenszeit“ werden sich später viele Menschen nicht ohne Wehmut erinnern. Zu sehr hatte sich die Bilderfülle unbeschwerter Sorglosigkeit im Gedächtnis der Menschen verankert.
Die vielbestaunten Auffahrten der „feinen Herrschaften“ zum Horner Derby, die prunkvollen Schiffstaufen im Hamburger Hafen, das waren Ereignisse, die das Interesse der Bevölkerung beanspruchten. Was Schlagzeilen machte wurde, schon damals, aufmerksam registriert: Beriot`s erster Flug über den Ärmelkanal, Stackleton`s Nordpolspedition, das erste Sechstagerennen in Berlin, der erste Skilift in Triber, die Aufnahme des Postscheckverkehrs in Deutschland, der englische Staatsbesuch und, und und….und.“Bei Schmidt“ in der Humboldstraße 123 in Hamburg, einem kleinen Lokal direkt neben der alten Polizeiwache, gab es eine Taufe, genauer, eine Vereinstaufe; sie galt dem „Sportclub Paloma“. Man schrieb August 1909.
„Geburtsort“ war die Humboldstraße
Dieser denkwürdigen Sitzung waren Wochen intensiver Gespräche vorausgegangen. Jungkaufleute und Schüler der Volksschule für Jungen an der Humboldstraße (siehe Bild) hatten in sportbegeisterten Erwachsenen willkommene Partner gefunden, die Bereitschaft signalisierten, das Wagnis einer Vereinsgründung einzugehen. Sieht man einmal von der Turnbewegung ab, steckte der Sport ja noch in den Anfängen. Von seiner Organisation ganz zu schweigen…
„Schlagball“ wurde populär
Im dichtbesiedelten Zentrum Barmbeks hielt man viel von Sport. Die Begeisterung dafür teilten Erwachsene und Jungendliche gleichermaßen. In den urigen Kneipen bot das Thema beliebten Gesprächstoff. Und das ausgreifende Gelände am nahen Gaswerk bot ja Gelegenheit, „Schlagen“ und „Laufen“ zu üben. Wichtige Voraussetzungen vor allem für Sportarten, die schnell populär wurden: „Schlagball“ und Faustball“. Dass sie so rasch in Norddeutschland Freunde fanden, ist das Verdienst engagierter Pädagogen.
Eine der „schulreichsten“ Straßen Hamburgs war die Humboldtstraße „auf der Uhlenhorst“. Dort gab es nicht weniger als sieben Schulen, drei Jungen-, drei Mädchenschulen und eine Art Sonderschule. Ihren Lehrkräften ging der Ruf voraus, sportlichen Belangen gegenüber besonders aufgeschlossen zu sein. Sie sahen es deshalb nicht ungern, wenn ihre Schüler Schlagballmannschaften bildeten. Insbesondere die Volksschule für Jungen an der Humboldtstraße 28 wusste mit beachtlichen Erfolgen aufzuwarten. Gelang es ihr doch wiederholt, die Hamburger Schulmeisterschaft zu erringen.
Wie der Vereinsname entstand
Mitglieder der Schüler-Schlagball-Mannschaft der Volksschule für Jungen an der Humboldtstraße waren es unter anderen, die gleichsam die „Keimzelle“ jenes Freundeskreises bildeten, der schließlich den Anstoß zur Gründung des „Sport-Club Paloma“ im Jahre 1909 gab. Rund um den Winterhuder Weg und Diederichstraße, Humboldt- und Bachstraße wohnten die sportbegeisterten jungen Männer und jene talentierten Schüler, die sich mit so viel Begeisterung dem Schlagball verschrieben hatten. Einige von ihnen gehörten zur „Selecta“, einer höherstufigen Abschlussklasse der Grundschule. In ihrem Status besonders ausgewiesen, weil sie blauweiße Schülermützen tragen durften. Viele ihrer Absolventen träumten von einem beruflichen Werdegang als Exportkaufmann. Und für angehende Jungkaufleute, die auf eine Stellung in Übersee hofften, galt als ungeschriebene Regel, Spanisch zu lernen. Zu den erstenVokabeln, die ihnen vermittelt wurden, gehörte auch das Wort „Paloma“, „die weiße Taube“. Als es dann darum ging, für den aus der Taufe gehobenen Verein einen Namen zu finden, war man sich schnell einig. „Paloma“ sollte ihr Sportclub heißen. Die „weiße Taube“ wurde ihr Emblem. Blau-weiß-blau erkoren sie zu ihren Vereinsfarben. Der Grundstein für eine beispielhafte Entwicklung war gelegt. Schlagball galt als „Spiel der deutschen Schule“, wie es einer seiner Befürworter definierte: „Es zeigt die mannigfaltigen Bewegungsformen im Ballschlagen. Fang-, Treff- und Weitwurf. Kurzstreckenlauf und Entwicklungslauf, alles Übungen mit leichtathletischem Einschlag. Man könnte das Schlagballspiel als leichtathletischen Mehrkampf in der Form des geschlossenen Kampfspiels bezeichnen.“









